Das große Interview mit Vika und Etienne 1-5

 In Allgemein

Im September habe ich an der #CharactersofSeptember Challenge teilgenommen. Jeden Tag mussten sich die Protagonisten aus „Dein Weg, meine Liebe“ und der noch namenlosen Fortsetzung einer neuen Frage stellen. Herausgekommen ist eine durchaus spannende Unterhaltung, bei der Leser*innen auch einen ersten Einblick in die Situationen bekommen, mit denen die beiden in der Fortsetzung meines Debütromans umgehen müssen. Fans auf Facebook und Instagram haben 30 Tage lang mitgefiebert, und da in solchen Challenges auch von meiner Seite viel Arbeit steckt, möchte ich den Beiträgen auch hier eine Heimat geben.

Bitte stell dich kurz vor!

(1. September)

Kennt ihr schon Etienne und Vika? Die beiden sind Protagonisten meines Romans „Dein Weg, meine Liebe“ und der Fortsetzung, an der ich aktuell arbeite. Im Rahmen der #CharactersofSeptember #Challenge von @gabibuettner70 werdet ihr sie noch etwas besser kennenlernen. Zu diesem Zweck besuche ich sie mal kurz in ihrem Urlaub auf einer ganz bestimmten griechischen Insel (No Spoiler!) und unterbreche sie bei …

Alizée: Ähm. Könntet ihr euch vielleicht was anziehen? Ihr solltet euch potenziellen Leser*innen vorstellen und gerade sieht es so aus, als würde ich Hardcore-Liebesromane schreiben, in denen sich alles nur um das Eine dreht. Wie stehen wir jetzt da?!

Vika: Tja, das kann passieren, wenn man Leser*innen und Protas 260 Seiten auf den ersten Kuss warten lässt. Dann dauert es halt auch länger, was die anderen Sachen angeht … Außerdem habe ich ein T-Shirt an.

Alizée: Ja, das von Etienne mit den Nähten nach außen und dem Etikett vorn. Außerdem waren es nur 259 Seiten. Und Etienne hat nichts …

Etienne: Ich habe ein Handtuch auf dem Schoß. Das reicht ja wohl. Also, was genau sollen wir jetzt machen?

Alizée: Euch vorstellen. Sodass Menschen Lust bekommen euch kennenzulernen. Ich genieße derweil die Aussicht von der Terrasse hier. Meine Güte, ist die überwältigend …! Und euch muss man erstmal …

Etienne: Wie auch immer. Also, ich bin Etienne und 29 Jahre alt. Ich wohne mit einer Katze, die mich adoptiert hat, und den Möbeln meiner Ex-Freundin in Heidelberg und promoviere dort in Philosophie. Außerdem unterrichte ich Karate in Mannheim. Mehr muss man nicht über mich wissen.

Vika: Das ist ja wohl die Untertreibung des Millenniums.

Etienne: Alizée hat gesagt, ich soll mich vorstellen. Nicht alles ausplaudern.

Vika: Schon klar. Also, ich bin Vika, 24 Jahre, ebenfalls aus Heidelberg. Ich arbeite beim Radio und wenn Ett und ich aus irgendwelchen Gründen nicht miteinander sprechen, hört er den ganzen Tag Radio in der Hoffnung, einen Verkehrsfunk zu erwischen, den ich einspreche.

Etienne: Hallo? Was hat das mit dir zu tun?

Vika: Dass ich eine Stimme habe, die Menschen sogar bezaubert, wenn ich nur den Verkehrsfunk lese?

Etienne (verdreht die Augen): Alizée! Wir sind fertig.

Beschreibe dich selbst!

(2. September)

Liebt ihr es auch so, wenn Besuch vorbeschneit und einfach nicht mehr geht?

So geht es gerade meinen Protas Vika und Etienne, die ich in ihrem griechischen Feriendomizil aufgesucht habe.

Etienne: Was macht Alizée denn noch hier?

Vika (tritt auf die Terrasse und sieht die Autorin gemütlich ausgestreckt auf der Sitzgarnitur): Keine Ahnung. Ich dachte, sie wäre längst abgereist.

Alizée: Ach, es ist so schön hier, da habe ich spontan beschlossen, noch ein bisschen zu bleiben. Ich habe nämlich noch ein paar Fragen an euch.

Etienne: Oh, nee. Jetzt hängen wir hier fest, weil du dich mit dieser Challenge verzettelst.

Alizée: C’est la vie. Etwas Marketing schadet nie. Beschreib dich mal selbst.

Etienne:  29 Jahre, 1,85 m, 81 kg, dunkelbraune Haare, nicht wirklich kurz, nicht wirklich glatt. Augenfarbe laut französischem Pass braun, laut deutschem Pass grün. Alizée: Es darf gern etwas persönlicher sein.

Etienne: Na schön. Vika zufolge wäre die korrekte Bezeichnung meiner Augenfarbe „Waldsee im Herbst“. Aber das passt in keinen Vordruck. Ich trainiere seit 24 Jahren Karate, seit zehn Jahren unterrichte ich es. Ich will nicht immer gewinnen, aber ich versuche nicht zu verlieren. Ich schreibe eine Doktorarbeit in Philosophie, weil ich beweisen will, dass die „ständige Prügelei“, wie mein Vater es nennt, meinem Hirn nicht schadet. Ich lebe in der Gegenwart, weil mich die Schuldgefühle der Vergangenheit quälen und die Zukunft mir Angst macht. Meine Familie ist auseinandergefallen, aber meine Schwester ist meine beste Freundin. Wenn ich die Chance bekomme, jemandem zu helfen, tue ich es.

Vika: Cheri, du weißt schon, dass jedem, der dich zum ersten Mal sieht, etwas an dir auffällt, was du noch nicht erwähnt hast?

Etienne:  Na und? Ich versuche hier, mich selbst zu beschreiben und nicht Klischees zu erfüllen. Jetzt bist du dran!

Vika: Nö. JETZT gehe ich erstmal duschen.

Stunden später

Vika: Nachdem mir Etienne heute Morgen so charmant den Ball zugespielt hat, ist es jetzt also an mir mich zu beschreiben. Im Gegensatz zu meinem Schatz fange ich einmal mit dem Offensichtlichen an. Ich bin groß, schlank und habe karamellblonde Haare bis zur Taille. Meine Augen sind grün und ich habe Leberflecken im Gesicht, die mich ungeschminkt aussehen lassen, als könnte ich keinen Schokoriegel unfallfrei essen. Ich bin trotzdem nicht niedlich, was nicht zuletzt an meiner Körpergröße von 1,80 Meter und meiner Vorliebe für Schuhe mit Absätzen liegt. Ich bin Einzelkind und in einem Kokon elterlicher Liebe und Fürsorge herangewachsen. Bis vor einem Jahr bestand die größte Herausforderung meines Lebens darin, ein Auslandssemester in Argentinien zu absolvieren. Nach meiner Rückkehr habe ich mich unsterblich verliebt, aber Daniel ist nur 3 Monate später bei einem Autounfall gestorben. Plötzlich wurde das Weiterleben ohne meinen Seelenverwandten zur größten Herausforderung. Ich bin eher ein nachdenklicher Mensch und habe mir einen Plan überlegt, wie ich meinem Leben wieder Sinn geben kann.

Etienne: Der Plan war für die Tonne.

Vika: Das Leben kam dazwischen.

Etienne: Ich kam dazwischen.

Vika: Darf ich jetzt weitermachen? Ich bin neugierig auf andere Länder, fremdes Essen, neue Menschen. Wenn etwas hinter mir zusammenbricht, versuche ich, mir neue Brücken in eine andere Zukunft zu bauen.

Etienne: … und gerätst dabei an mich, der selbst alle Brücken abbricht. Wir sind ein tolles Team. Übrigens hast du vergessen zu erwähnen, dass du ein Sturkopf bist. Du hältst verdammt lange an Dingen fest, die dir nicht mehr gut tun.

Vika: Wer hat noch mal 6 Monate nach der Trennung noch die Möbel der Ex in seiner Wohnung?

Etienne: Das ist doch etwas ganz anderes …

Welches ist deine frühste Erinnerung?

(3. September)

Alizée sitzt immer noch auf der Terrasse vor Vikas und Etiennes Hotelzimmer auf der griechischen Insel, deren Name erst in der Fortsetzung von „Dein Weg, meine Liebe“ verraten wird, und lässt sich von Vika Zitronenlimo nachschenken.

Alizée: Herrlich, diese Aussicht! Die Limo erinnert mich übrigens an die, die es bei meiner Oma gab. Da war ich noch sehr klein und meine Mutter wollte nicht, dass ich Süßes trinke, aber sie hat auch nicht gewagt, meiner Oma zu widersprechen. Ich weiß noch genau, wie es auf der Zunge gebitzelt hat. Was war deine frühste Erinnerung, Vika?

Vika: Dass ich auf der Straße von einem großen, zotteligen Hund umgerannt wurde und meine Mutter danach die Besitzerin angeschrien hat. Ich habe geweint und hatte Angst. Ich weiß nicht mehr, ob vor dem Hund oder vor meiner Mutter, weil ich sie noch nie so wütend erlebt hatte.

Alizée: Deine Mutter würde sich mit jedem anlegen, um dich zu beschützen.

Etienne: Meine ist mal mit einem Regenschirm auf einen Japan Chin losgegangen, weil sie dachte, er wollte meine Schwester beißen.

Vika: Daher also dein Hundetrauma.

Etienne: Ich habe kein Hundetrauma, ich bin nur nicht gern mit fremden Viechern auf Augenhöhe. Aber der Japan Chin ist kaum größer als ein Meerschweinchen und die Episode nicht meine erste Erinnerung.

Vika: Sondern?

Etienne: Wie mein Vater mir sagte, ich soll mich im Wohnzimmer in seinen Sessel setzen und ganz stillsitzen. Dann hätte er eine Überraschung für mich. Der Sessel war normalerweise für mich tabu und ich habe meinen Vater fragend angesehen, bevor ich auf die Sitzfläche geklettert bin. Als ich ganz still dasaß, ging mein Vater kurz weg, und als er wiederkam, legte er mir ein hellrosa Bündel in die Arme. Er sagte, das sei meine kleine Schwester Marie-Lou und ich müsste von nun an gut auf sie aufpassen. Es ist komisch, weil ich mich gar nicht mehr daran erinnere, dass meine Mutter schwanger war. Da ist nur dieser Moment im Sessel, wo ich Lou-Lou zum ersten Mal im Arm hielt. Daran erinnere ich mich genau. Sie hat nicht geschlafen, sondern mich angesehen und ich habe sie geküsst.

Vika: Hach, wenn ich das höre, wünschte ich, ich hätte Geschwister …

Was wolltest du als Kind werden und was ist letztlich aus dir geworden?

(4. September)

Alizée: Also ich wollte ja schon immer Schriftstellerin werden und dafür bezahlt werden, dass ich mir tolle Geschichten mit interessanten Protagonisten ausdenke. Wie ist das bei euch? Was waren eure Berufswünsche?

Vika: Oh, ich hatte so ziemlich jeden Berufswunsch, den man als Kind haben kann: Prinzessin, Dompteurin, Astronautin. Meine Eltern sagten immer, ich könne alles werden. Das hat nicht geholfen, mich auf etwas festzulegen. In der Walldorfschule dachte ich zeitweilig, ich werde Sängerin oder Comic-Zeichnerin. Ich habe ein Praktikum an der Hamburger Staatsoper gemacht und eins beim „Hamburger Abendblatt“. Für die Oper habe ich nicht die richtige Stimme und bei der Zeitung hat mir das Recherchieren und Schreiben von Meldungen mehr Spaß gemacht, als das Entwerfen von Infografiken. Eigentlich hatte ich nie eine Ahnung. Anfang des Jahres hatte ich die Gelegenheit, beim Radio reinzuschnuppern und habe zufällig festgestellt, dass das voll mein Ding ist. Ich kann sprechen, schreiben, recherchieren. Ich denke, ich bleibe dabei.

Etienne: Bei mir war das anders. Ich habe mir ziemlich früh Ziele gesetzt. Mit fünf habe ich zum Beispiel gesehen, wie ein Typ im Karateanzug mit der Handkante eine auf einem Tisch stehende Bierflasche geköpft hat, ohne dass die umfiel. Das wollte ich unbedingt auch können.

Vika: Berufsziel: Flaschenöffner. Hast du es geschafft?

Etienne: Ja. Aber wäre ich Barkeeper geworden, hätte das meinen Vater genauso wenig beeindruckt. Karate ist kein Profisport. Die meisten Karateka arbeiten auch noch in anderen Berufen. Es gibt wenige, die nur vom Sport leben, etwa mit einer eigenen Karateschule.

Vika: Dann hast du es doch weit gebracht! Du wirst für deinen Karateunterricht bezahlt.

Etienne: Ja. Das ist in der Tat mehr, als die meisten Menschen mir zutrauen würden. Aber ich habe auch noch andere Einnahmequellen.

Welche Eigenschaft von dir treibt andere in den Wahnsinn, die du selbst als Stärke siehst?

(4. September)

Etienne: Alizée, du siehst, dass wir packen und im Begriff sind, die Insel zu verlassen, um schnellstmöglich nach Deutschland zurückzufliegen. Vika ist super besorgt und ich habe Lust, jemandem eine reinzuhauen. Das ist kein guter Zeitpunkt für weitere Fragen.

Alizée:  Diese wird dir gefallen. Außerdem kann ich euch zum Flughafen mitnehmen. Ich schätze, wir haben den gleichen Weg.

Etienne: Dass die Autorin bei etwas behilflich ist, ist ja mal ganz was Neues.

Alizée: Hallo? Ich bin immer …

Etienne: Wie ist die Frage?

Alizée: Welche Eigenschaft von dir treibt andere in den Wahnsinn, die du selbst als Stärke siehst?

Etienne: Im Ernst jetzt?

Alizée: Klar.

Etienne: Dass ich mir nur helfen lasse, wenn es gar nicht anders geht. Das bringt Menschen zur Weißglut, weil sie denken, es geht schneller, wenn sie das für mich machen. Vielleicht fühlen sie sich auch einfach selbst besser, wenn sie eine vermeintlich gute Tat vollbringen. Aber ich bin stolz darauf, Dinge selbst zu schaffen. Für alles andere frage ich. Kannst du Vika mal helfen, die Reisetasche zu schließen?

Alizée: Natürlich. Mein Gott, Vika! Du siehst ja völlig panisch aus!

Vika: Ach nee.

Alizée: Hey, es wird alles gut.

Vika: Schön, wenn die Autorin das sagt, aber im Moment ist es gerade etwas schwer zu glauben. Hartmut hat …

Alizée: Ich weiß. Erzähl mir was über deine nicht immer offensichtliche Stärke.

Vika (schnieft): Ich habe meine Prinzipien. Zum Beispiel würde ich nichts tun, was Daniel verletzt hätte. Er ist tot, aber seine Meinung zählt weiterhin für mich. Außerdem verliebe ich mich nicht Hals über Kopf. Wenn ich jemanden sehe, der mir Herzflattern verursacht, werde ich eher misstrauisch und verfluche meine Hormone.

Etienne: O ja. Ich erinnere mich.

Vika: Beschwer dich nicht. Ohne meine Prinzipien hättest du mich für eins von 100 Girls gehalten, das sich in deine Waldsee-im-Herbst-Augen verliebt.

Etienne: Jaja. Sind wir fertig? Let’s go!

Vika: Du zuerst!

Etienne: :-DDD

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