Das große Interview mit Vika und Etienne 11-15

 In Allgemein

Bist du manchmal von anderen enttäuscht?

(11. September)

Vika: Alizée hat eine WhatsApp geschickt. Ihr Mann ist im Krankenhaus. Sie nimmt einen Flug eher. Wir sollen uns auf eine längere Wartezeit einstellen.

Etienne: War ja klar.

Vika: Bist du manchmal von anderen enttäuscht?

Etienne: Von Alizée? Ständig.

Vika: Nein, generell. Das ist die Frage, die sie uns geschickt hat

Etienne: Nö. Nicht generell. Ich erwarte nicht viel und bin deshalb auch selten enttäuscht.

Vika: Ich bin leider ziemlich oft von anderen enttäuscht. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich zu viel erwarte. Aber ich kann es nicht ändern, dass ich eine gewisse Vorstellung davon habe, wie man als mein Freund oder meine Freundin reagieren könnte und dann bin ich enttäuscht, wenn eine ganz andere Reaktion kommt. Nach Daniels Tod war ich eigentlich permanent enttäuscht, weil mein Umfeld so seltsam reagiert hat. Das war auch ein Grund dafür, warum ich unbedingt diese Reise nach Japan machen wollte. Ich wollte mich nicht mehr mit diesen Reaktionen auseinandersetzen. Warum ist das bei dir anders? Warst du nach deinem Unfall auch so cool?

Etienne: Das hat nichts mit cool zu tun. Ich ärgere mich durchaus. Manche Menschen und ihre Reaktionen wollte ich einfach nur so schnell wie möglich loswerden. Im Grunde ähnlich wie du, nur konnte ich nicht ans andere Ende der Welt weglaufen.

Vika: Also hast du lieber andere enttäuscht.

Etienne: Ich habe versucht zu überleben. Physisch und psychisch. Das funktioniert besser, wenn ich nicht tausend Leute erklären muss, wie sie über den Schicksalsschlag hinwegkommen, der mich getroffen hat.

Vika: Du meidest Menschen, die dich von früher kannten.

Etienne: Nicht alle. Toni zum Beispiel …

Vika: Gibt es außer Toni und deiner Schwester noch jemanden, der dich als Fußgänger kannte und den du noch regelmäßig siehst?

Etienne: Grübel … Gibt es bei dir viele Leute, mit denen du vor 7 Jahren befreundet warst und die du noch regelmäßig siehst?

Vika: Regelmäßig wäre übertrieben.

Etienne: Siehst du. Das ist bei mir genauso. Wir sind nicht so verschieden.

Welchem Familienmitglied ähnelst du am meisten?

(12. September)

Pling! Vika: Unsere Autorin lässt uns wegen familiärem Notfall am Flughafen hängen, aber die Fragen für ihre dämliche Challenge schickt sie uns trotzdem noch aufs Handy. Was ist es diesmal?

Etienne: Wem aus der Familie wir ähneln.

Vika: Pffft. Langweilig. Ich bin eine ziemlich genaue Mischung aus meinem Vater und meiner Mutter. Früher habe ich oft Geschichten von Leuten gelesen, die erfahren, dass sie adoptiert wurden. Ich habe mir vorgestellt, wie das wäre, wenn meine Eltern mir auch eines Tages sagen, dass ich adoptiert bin. Aber dann habe ich in den Spiegel geguckt und meine Eltern angesehen und mir Fotos von ihnen angeschaut, als sie Kinder waren und – nein. Die Gene sind nicht zu verleugnen.

Etienne: Irgendwann möchte ich deine Eltern mal kennenlernen.

Vika: Puh. Nach E-Mails der letzten Tage weiß ich nicht, ob das so eine gute Idee wäre… Sie sagen, du bist schlechter Einfluss.

Etienne: Weil ich dich nach Griechenland entführt habe?

Vika: Weil du mir derartig den Kopf verdreht hast, dass ich dir freiwillig folge.

Etienne: Und mir dann Vorträge über Gleichberechtigung hältst? Nee, die kennen ihre Tochter schlecht!

Vika: Wem siehst du ähnlich, außer deiner Schwester?

Etienne: Marie-Lou und ich kommen beide nach unserer Mutter. Die Gene meines Vaters habe ich bisher in keinem von uns entdecken können und darüber bin ich auch froh. Was grinst du?

Vika: Musste daran denken, wie ich Lou-Lou zum ersten Mal gesehen habe und von ihrem Aussehen wirklich eingeschüchtert war.

Etienne: Dabei hat sie gar nicht im Rollstuhl gesessen.

Vika: Die jeancour’sche Ausstrahlung funktioniert auch ohne Rollstuhl.

Etienne: Ich hätte dich damals lieber nicht eingeschüchtert.

Vika: Jedenfalls konnte ich da noch nicht ahnen, was sie mir eines Tages so alles Spannendes über dich erzählen würde.

Etienne: Ach ja …?

Von welchem deiner Freunde unterscheidest du dich am meisten?

(13. September)

Etienne: Irgendwelche Infos von Alizée, wann es hier mal weitergeht?

Vika: Nope. Nur eine neue Frage. Von welchem deiner Freunde unterscheidest du dich am meisten?

Etienne: Von Jürgen! Ich habe kein bescheuertes Tattoo im Gesicht und stelle mich mit Frauen nicht so blöd an.

Vika: Sicher, dass ihr Freunde seid?

Etienne: Ganz sicher. Und was ist mit dir?

Vika: Ich unterscheide mich ALLEN meinen Freunden. Das macht mir Angst. Ich frage mich, ob ich überhaupt Freunde habe oder nur Bekannte mit einer gewissen Schnittmenge gemeinsamer Themen. Ich wünschte, ich hätte solche Freunde wie du.

Etienne: Du solltest nicht alles zergrübeln. Ich habe Freunde, aber das heißt nicht, dass wir in jeder Minute das gleiche denken. Meine Freunde fahren mein Auto von zugeparkten Behindertenparkplätzen, lassen sich zu Unzeiten aus dem Bett klingeln und wahlweise auch mal verprügeln, wenn mir danach ist. Und diese Leute sind jetzt auch deine Freunde. Du kannst ihnen vertrauen und dich auf sie verlassen.

Vika: Okay. Unter diesen Umständen unterscheide ich mich ebenfalls am meisten von Jürgen.

Was machst du anders als deine Eltern?

(14. September)

Vika: Dieser griechische Flughafen ist echt nicht so prickelnd, dass man sich so viele Stunden dort aufhalten müsste. Ein Jammer, dass wir nichts Interessantes erleben dürfen.

Etienne: Alizée ist krank, ihre ganze Familie ist krank, sie hat im Moment einfach andere Prioritäten. Aber sie hat wieder eine Frage für die Challenge geschickt, weil sie unbedingt möchte, dass mehr Menschen Dein Weg, meine Liebe lesen, empfehlen, verschenken. Weihnachten kommt ja immer so plötzlich …

Vika: So viel zum Thema „Prioritäten“. Die Frage ist?

Etienne: Was machen wir anders als unsere Eltern?

Vika: Ha! Ich will gar nicht so viel anders machen. Meine Eltern sind tolle Menschen, auch wenn ich im Moment echt sauer auf sie bin. Im Grunde hätte ich nichts dagegen, mehr oder weniger so zu werden wie sie. Vielleicht ist das ein Fehler. Ich habe Probleme mit der Abnabelung und sie erwidern das mit Komplettbegluckung.

Etienne: Wäre bei mir zumindest bezogen auf meine Mutter vielleicht ähnlich gewesen. Da nur noch mein Vater lebt, ist die Situation anders. Ich will am liebsten  ALLES anders machen als er. Das ist auch ein Problem. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit der Abgrenzung. Ich will nicht so wohnen, nicht so arbeiten, nicht mit so einer Frau wie seiner Neuen zusammen sein. Ich rege mich schon auf, wenn ich nur an sie denke und den Scheiß mit dem Ladekabel, den sie sich neulich geleistet hat.

Vika: Komm schon. Konzentriere dich auf eine konkrete Sache, die du anders machst.

Etienne: Und du? Eine Sache, die du anders machst, als deine Eltern, denen du ansonsten in jeder Beziehung nacheiferst?

Vika: Mach dich nicht lustig! Okay, eine Sache: Ich reise. Meine Eltern verreisen, wenn überhaupt, nur innerhalb Deutschlands. Und welche eine Sache machst du anders als dein Vater?

Etienne: Ich rolle.

Warst du in deiner Pubertät glücklich?

(15. September)

Vika: Schon blöd, wenn ausnahmsweise an so einem Flughafen alles reibungslos läuft und wir die Einzigen sind, die trotzdem ewig hier rumsitzen, weil unsere Autorin in ihrer eigenen Geschichte steckenbleibt. Für den Kaffeeladen avancieren wir bereits zu Stammkunden und man fragt sich, ob wir unseren Urlaub am Flughafen verbringen.

Etienne: Aber Hauptsache, wir campieren neben der Steckdose, damit uns die Fragen der Autorin zuverlässig erreichen. Warst du in deiner Pubertät glücklich?

Vika: Pah! Wer ist schon in der Pubertät glücklich? Das ist doch die Lebensphase, wo man sich der eigenen unglücklichen Existenz erst so richtig bewusst wird.

Etienne: Es gibt Menschen, die verklären ihre Teenager-Zeit.

Vika: Ich nicht. Ich war jahrelang verliebt in einen Typ, der nichts von mir wollte und ich dachte, ich könnte mich vielleicht ändern, um ihm zu gefallen, aber andererseits wollte ich genau das auch nicht. Es war ätzend. Und bei dir?

Etienne: Mein Vater hat genervt wegen Schulnoten und Fehlzeiten wegen Verletzungen. Aber ansonsten war die Zeit nicht schlecht. Ich habe fast jeden Tag trainiert.

Vika: Und du hattest zwei Jahre lang eine Freundin.

Etienne: Ja. Sie fand es super sexy, wenn ich mich für sie mit anderen Typen prügelte.

Vika: DAS hast du gemacht??

Etienne: Ähm …

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