Das große Interview mit Vika und Etienne 21-25

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Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?

(21. September)

Vika: Wir gehen da jetzt wirklich rein? In meine Wohnung? Und suchen …?

Etienne: Ja. Hast du Einweghandschuhe?

Vika: Ogottogott … Nein. Nur Gummihandschuhe, mit denen ich normalerweise das Bad schrubbe.

Etienne: Besser als nichts.

Vika: Brauche ich einen Mundschutz?

Etienne: Falls ich mich im Flieger verkühlt habe und jetzt einen ansteckenden Virusinfekt habe oder warum?

Vika: Ja, keine Ahnung! Ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich habe Angst.

Etienne: Wovor? Das Zeug wird dich nicht anspringen.

Vika: Sollen wir wirklich? Ich meine … zweifelst du nie an dir selbst?

Etienne: Das war doch die 21. Frage von Alizée.

Vika: Die wir noch nicht geschafft haben zu beantworten, weil sich hier die Ereignisse überschlagen.

Etienne: Im Moment überschlägt sich noch gar nichts. Aber stell dich auf eine lange Nacht ein. Und nein, gerade jetzt zweifle ich überhaupt nicht an mir. Allenfalls am Guten im Menschen.

Vika: Und früher?

Etienne: Nach dem Unfall in der Reha hatte ich Zweifel. Pack ich das? Querschnittgelähmt bis ans Ende meiner Tage? Will ich das überhaupt packen? Oder werde ich Alkoholiker und hoffe, dass meine Leber schnellstmöglich so komplett versagt, wie meine Beine? Und Ende letzten Jahres mit Nadia. Da hatte ich auch Selbstzweifel. Hätte ich anders reagieren sollen? Es länger versuchen? So, aber genug jetzt mit der Reflektion. Wir gehen jetzt da rein. Schließ die Tür auf, Vic.

Was war deine folgenschwerste Entscheidung?

(22. September)

Vika: Also rufe ich jetzt die Polizei?

Etienne: Bessere Idee?

Vika: Ich meine, wenn ich es tue, wird es ziemlich gravierende Folgen haben.

Etienne: Aber nicht für dich.

Vika: Ich trage die Verantwortung.

Etienne: Jeder Mensch trägt für sein eigenes Handeln die Verantwortung. Deines ist nur die logische Konsequenz.

Vika: Ich weiß ja nicht … Ich muss grade an die 22. Frage für Alizées komische September-Challenge denken. Was war deine folgenschwerste Entscheidung. Ich dachte, meine wäre es gewesen, an diesem ganz bestimmten Abend Anfang Januar mit Mel, Magda und Marina zum Karaoke zu gehen. Danach war Daniel weg und mein Leben hat sich so grundlegend verändert wie ich es niemals erwartet hätte. Manchmal lassen sich große Veränderungen tatsächlich an einer einzigen Entscheidung festmachen, über deren Tragweite man sich in dem Moment gar nicht bewusst war.

Etienne: Wem sagst du das. Ich hätte vor sechs Jahren den Zug nehmen und mir den Wecker stellen können. Dann wäre ich zwar übermüdet bei den Regionalmeisterschaften angetreten, aber ich wäre immerhin angetreten. Und um noch einmal auf Jetzt und Hier zurückzukommen: SO folgenschwer wird das Kommende nicht sein, glaub mir.

Vika: Keine Toten?

Etienne: Nicht, wenn Alizée es nicht will.

Vika: Verdammt. Ich habe Angst.

Etienne: Wir sind die Protagonisten. Wir werden überleben.

Vika: Winnetou ist gestorben.

Etienne: Sehe ich aus wie Winnetou? Heißt mein Rollstuhl Iltschi?

Vika: Ich verstehe nicht, wie du jetzt Witze machen kannst…

Etienne: Du hast angefangen mit Winnetou. Ich versuche lediglich dich davon zu überzeugen, dass es nicht in deiner Verantwortung liegt, jemanden zu schützen, der sich freiwillig dazu entschlossen hat, gegen das Gesetz zu verstoßen. Und zwar mehr als einmal. Hier ist übrigens das Telefon.

Welchen Fehler würdest du immer wieder machen und warum?

(23. September)

Vika: Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade wirklich getan habe.

Etienne: Ruuuhig at-men. Es war richtig.

Vika: Und wenn nicht? Dann habe ich gerade eine Zukunft zerstört.

Etienne: Diese Zukunft hast ganz bestimmt nicht DU zerstört. Jeder Mensch ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Und hier hat jemand sehr falsch gehandelt. Mehr als einmal.

Vika: Gibt es einen Fehler, den du immer wieder machen würdest?

Etienne: Vic, das ist eine von den Fragen für Alizées Challenge und wir waren übereingekommen, dass wir die jetzt erstmal zurückstellen. Wir müssen mit der Polizei reden und mit Anna und wir wollen vielleicht irgendwann heute Nacht auch noch schlafen.

Vika: Ich möchte es jetzt einfach wissen. Können Fehler auch gut sein? Sodass man sie nicht bereut? Oder sind es dann eigentlich gar keine Fehler mehr?

Etienne: Vielleicht ändert sich die Einstellung zu Entscheidungen, die man irgendwann einmal als Fehler deklariert hat. Vor nicht allzu langer Zeit war ich mir ziemlich sicher, dass es ein Fehler gewesen war, nach Heidelberg zu ziehen. Ich meine, nun sitze ich schon Rollstuhl. Aber kann man noch tiefer sinken, als Karatelehrer in der Provinz zu sein?

Vika: Du bist Karatelehrer in MANNHEIM. Nicht in Heidelberg.

Etienne: Ja. Das macht es so viel besser. Jedenfalls haben wir uns in Heidelberg kennengelernt. Und deshalb würde ich wohl auch im nächsten Leben noch in dieses Nest ziehen. Und im übernächsten …

Vika: Tja, und ich werde dann wohl auch im nächsten und übernächsten Leben Flugtickets nach Japan kaufen, ohne einen Plan davon zu haben, was ich dort machen will. Und dann werde ich den Bekannten einer Bekannten anrufen und in ein paar Stunden am Telefon alles finden, was ich mich nie zu suchen traute …

Etienne: Klingt gut.

Vika: Eigentlich habe ich noch nie gefunden, dass es ein Fehler war, ein Flugticket zu kaufen, ohne die Reise schon geplant zu haben. Das waren immer nur die anderen, die das irgendwie absurd fanden.

Etienne: Stimmt. Ich gehörte auch dazu. Aber für mich schien Heidelberg tatsächlich eine Zeitlang ein Fehler gewesen zu sein. Ich bin froh, den Beweis vor mir zu sehen, dass es nicht so war.

Vika: Scheiße. Es klingelt. Sag mir, dass es kein Fehler ist, zu öffnen …

Etienne: ES. IST. KEIN. FEHLER. ZU. ÖFFNEN.

Was ist das Peinlichste, das dir je passiert ist?

(24. September)

Etienne: Das hat mich jetzt überrascht.

Vika: Sorry.

Etienne: Du musst dich nicht entschuldigen. Ich dachte nur, nach allem, was du mir in den vergangenen Wochen erzählt hast, dass du dieses eine bestimmte Thema nicht ansprechen würdest. Du hast immer so geklungen, als sei es komplett inakzeptabel, wenn ich irgendetwas sage, um dich in diese Richtung zu bewegen.

Vika: War es ja auch. Und ich hätte es auch sicher nicht erzählt, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, du drängst mich. Es war nur so, dass es sich plötzlich richtig anfühlte.

Etienne: Ich bin froh, aber verwirrt.

Vika: Jetzt, wo ich schon meine Geheimnisse auf den Tisch lege, können wir ja gleich weitermachen mit der großen Septemberbeichte: Was ist das Peinlichste, das dir je passiert ist?

Etienne: Diese Frage ist eine Unverschämtheit.

Vika: Was? Die hat Alizée geschickt.

Etienne: Und wir können ihr nur zugutehalten, dass sie sich die Frage nicht selbst ausgedacht hat. Trotzdem hätte sie darauf verzichten müssen, sie überhaupt an mich weiterzuleiten.

Vika: So schlimm?

Etienne: Jemanden mit einer kompletten Querschnittlähmung zu fragen, was ihm Peinliches passiert ist? Geht’s noch?

Ga-ploing! Vika: Nachtrag von Alizée. Sie schreibt: Etienne muss diese Frage nicht beantworten.

Etienne: Ihr Glück. Sonst hätte sie gleich Triggerwarnungen raushauen können. Aber du bekommst keine Entschuldigung, wenn ich das richtig interpretiere.

Vika: Mir ist auch noch nie etwas richtig Peinliches erlebt.

Etienne: Was? Du hast dich immer furchtbar geschämt wegen irgendwelcher …

Vika: … Lappalien, Cheri, das waren Lappalien. Das weiß ich jetzt. Aber falls es irgendjemanden hier erheitert: Ich habe mal versucht, Karate zu machen und bin dabei vor den Augen einer ganzen Klasse über meine Füße gestolpert. Das war in Japan. Genauer gesagt in Amagasaki.

Etienne: grins

Hast du jemals gegen das Gesetz verstoßen? Wenn nein, was müsste passieren?

(25. September)

Vika: Lass uns zu dir fahren und nach den ganzen verrückten Ereignissen heute Nacht versuchen, noch eine Mütze Schlaf zu ergattern.

Etienne: Wo bleiben die Schreibpausen der Autorin, wenn man sie brauchen könnte …? Ich rufe ein Taxi.

10 Minuten später.

Vika: Alizée? Seit wann fährst du Taxi??

Alizée: Das ist der naheliegendste Job für eine Selfpublisherin, warum überrascht euch das. Außerdem dachte ich, ich schau kurz mal bei euch vorbei, bevor ihr in den nächsten Ärger geratet.

Vika: Noch mehr Ärger? Ich dachte, wir hätten endlich Ruhe!

Etienne: Bei mir zu Hause gibt’s keinen Ärger. Da warten ein Bett und mein Lieblingsrollstuhl, in dem ich ab morgen …

Alizée: Abwarten. Aber vorher können wir noch kurz plaudern. Habt ihr schon mal was Verbotenes gemacht? Gegen ein Gesetz verstoßen oder so?

Etienne: Ist das auch wieder so eine Frage für den September? Meine Güte, ich mache drei Kreuze, wenn der Monat rum ist… Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich schon gegen Gesetze verstoßen habe. Vor allem gegen ungeschriebene. Außerdem habe ich in Hongkong mal in einem Schuppen für Wettgeld gekämpft. Das war illegal und gab Ärger von Toni. Aber ernsthaft straffällig bin ich noch nicht geworden. Ich habe auch keine Punkte in Flensburg. Und du?

Vika: Ich habe auch keine Punkte. Und mein schlimmstes Vergehen war, dass ich mal mit einer Freundin in Rom Postkarten geklaut habe. Die waren absurd teuer! Da hat meine Freundin im Laden drei Stück gekauft und ich habe draußen aus dem Ständer noch drei geklaut.

Alizée: Hattest du keine Schuldgefühle?

Vika: Nee, irgendwie nicht.

Etienne: Wo du ständig Schuldgefühle hast wegen Dingen, für die du gar nicht verantwortlich bist. Aber hier… Man klaut doch keine Postkarten!

Vika: Ich habe nur den Stückpreis auf ein akzeptables Niveau angepasst.

Etienne: Du hast gegen das Gesetz verstoßen.

Alizée: Jetzt mach mal halblang. Sich illegal zu kloppen ist auch nicht besser.

Etienne: Ich habe mit meinem Blut bezahlt.

Vika: Ich spende Rom drei Postkarten als Wiedergutmachung.

Alizée: Wir sind da. Macht 26 €.

Etienne: Wieso ist da Licht in meiner Wohnung?

Alizée: Roll in and find out …

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