Nummer zwei

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Mein Roman „Dein Weg, meine Liebe“ ist nun seit acht Monaten draußen.
Nach der Leipziger Buchmesse und den vielen tollen Begegnungen dort mit anderen Autorinnen, Autoren und Bloggerinnen, war ich voller Optimismus, dass die Schreiberei vielleicht doch noch zu einem zweiten Standbein werden könnte. Etwas, was mir Spaß macht und anderen Menschen Freude bereitet.

Das Leben macht, was es will

Nach meiner Rückkehr aus Leipzig spielte das Leben mal wieder nach seinen eigenen Regeln. Der Gesundheitszustand meines (chronisch kranken) Mannes verschlechterte sich rapide. Wochenlang herrschte angesichts immer neuer Krankheitssymptome und -schäden und der Unklarheit, ob die gewählte Therapie anschlägt, familiärer Ausnahmezustand. In dieser Zeit war die Textarbeit – mal wieder – meine Flucht aus der Realität. In all den Wochen gab es immer wieder Momente, in denen ich nichts tun konnte, in denen ich Kraft schöpfen und mich beruhigen musste, um nicht vor Angst und Sorge, zum zweiten Mal einen Partner zu verlieren, durchzudrehen.

Buch Nummer zwei

In diesen Momenten habe ich mich mit meinem zweiten Buch beschäftigt. Dass es überhaupt ein zweites Buch geben würde, war lange nicht klar gewesen. An „Dein Weg, meine Liebe“ habe ich fünf Jahre neben Vollzeitjob und Familie gearbeitet, Zeiten schlimmster Selbstzweifel durchlitten und schließlich mehrere tausend Euro investiert, um diese Phase zu einem guten Ende zu bringen. Nicht nur träumen. Sondern machen. Es gibt so viele schlechte Bücher. Es gibt so viele schlechte Bücher mit eigener Fangemeinde. Ich werde keine Benchmark nach unten setzen, sondern mich – wie so oft im Leben – im Mittelfeld bewegen. Was besser ist, als es nie zu versuchen.
Also habe ich es gemacht.

Tut das not?

Ein zweites Buch täte allerdings nicht not. Da waren wir uns innerhalb der Familie einig. Wir wollten uns auf eine Zeit freuen, in der wir zu dritt wieder mehr erleben. In der wir Geld für gemeinsame Urlaube, Ausflüge, Freizeitaktivitäten ausgeben. Nicht für Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, Anzeigen und Sponsored Posts.
Doch dann waren mir unterschwellig diese Gedanken gekommen: Was wäre gewesen, wenn ich bei „Dein Weg, meine Liebe“ nicht bestimmte Fehler gemacht hätte? Fehler, die mich Reichweite kosteten (zumindest auf Amazon). Denn dort war mein Roman wochenlang in den Oberkategorien Literatur & Fiktion bzw. eBooks Belletristik eingeordnet – ohne nähere Spezifizierung. Weil ich dachte, die Kategorisierung ergebe sich mit der Zeit aus den Verkäufen.

Trial and error

Erst als ich irgendwann Amazon schrieb und eine Spezifizierung vornahm, tauchte der Roman in den passenden Unterkategorien auf, kam kurz in die Top 10 und verschwand nach der nächsten Preiserhöhung wieder. Mein Marketingbudget hatte ich zu dem Zeitpunkt schon verbraucht. Seitdem frage ich mich, wo wäre ein Buch von mir, wenn ich die Klaviatur von Amazon von Anfang an richtig spielen würde? Ich hatte Lust, es auszuprobieren.

Einmal Kindle Unlimited

Allerdings war klar, dass ich dafür kein neues Buch schreiben würde. Denn ich wollte ja nicht die nächsten fünf Jahre wieder so verbringen wie die vergangenen fünf. Da ich aber bis zu meinem vorläufigen Schlussstrich 2004 schon zwanzig Jahre unveröffentlicht Fiktion geschrieben hatte, wollte ich mich aus dem Fundus bedienen und – quick and dirty – eine meiner alten Erzählungen via Kindle Unlimited raushauen.
Mein eigener Anspruch kam mir in die Quere.
Auf Facebook hatte ich oft genug betont, dass ich ein Lektorat für Selfpublishing-Texte wichtig finde. Besonders die Langatmigkeit in nicht-lektorierten Texten geht mir als Leserin extrem auf die Nerven. Oft erkenne ich unlektorierte Texte schon daran.

Keinen guten Ruf zu verlieren

Einen Text zu veröffentlichen, der meinem eigenen Qualitätsanspruch nicht genügt, erschien mir schwierig. Auch wenn der alte Text, den ich im Sinn hatte, sich damals durchaus auch bei „Profis“ bewährt hatte. Und auch wenn ich selbst unter Selfpublishern niemand bin, den man kennen muss und ich folglich keinen „guten Ruf“ zu verlieren habe: Ohne Lektorat würde Nummer zwei eher negativ auf „Dein Weg, meine Liebe“ abstrahlen. Also doch Lektorat. Und nach einem Testballon mit professionellen Grafikdesignern ohne dezidierte Buchcover-Erfahrung, auch wieder Cover-Gestaltung durch professionelle Buchcover-Designerin. Und für das Taschenbuch auch wieder einen professionellen Satz.

Urlaub gestrichen

Nummer zwei würde mich locker vierstellig kosten.
Trotzdem entschied ich mich schließlich dafür. Durch die Krankheit meines Mannes sind wir seit August nicht mehr in den Urlaub gefahren. Nicht mal übers Wochenende. Seit März waren wir in keinem Restaurant mehr. Nicht im Kino, Theater oder im Konzert. Ich habe mir nur noch das Nötigste gekauft. Das neue Buchprojekt wurde zu einer Art Kompensation. Einem Versuch, all die Angst in etwas Schönes zu verwandeln. In etwas, das in die Zukunft trägt. Auch wenn ich die im Moment gar nicht sehe.

Feedback aus dem Lektorat

In den Wochen seit meiner Rückkehr aus Leipzig beschäftigten sich also die bewährten Profis mit Buch Nummer zwei. Ich habe mich entschieden, nicht nur eine (alte) Erzählung zu publizieren, sondern alle aus der Reihe, die ich 2004 nach dem Tod von meinem Verlobten abbrach. Er hatte die Entstehung dieser Geschichten unterstützt. Es wäre schade, wenn niemand sie lesen würde. Ich überarbeitete fünf Erzählungen, teilweise sehr stark, und fügte ein Vorwort hinzu. Schickte alles an meine Lektorin. Geschichte für Geschichte schickte sie mir ihr Feedback. Am Ende schrieb sie, sie hätte gern noch ein, zwei oder drei weitere Geschichten gelesen.

Nein. Doch. Anders.

Ich erinnerte mich an eine Erzählung, die erste aus der Reihe, geschrieben Mitte der 90er. Die Idee war das Puzzlestück, das passte. Aber die Umsetzung entsprach meiner Erinnerung nach überhaupt nicht mehr meinem Anspruch. Dennoch suchte ich die Geschichte auf einem längst ausrangierten Rechner. Und irgendwann inmitten von Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, Trauer und Erschöpfung schrieb ich sie neu. Ihre Funktion als Puzzlestück hat sie behalten. Der Rest entstand neu.
Die wichtigste Erkenntnis: Es hat Spaß gemacht. Mich auf andere Gedanken gebracht. Mich entspannt.

Sechs statt fünf

So wurde aus einem Quick-and-dirty-Projekt mit einer alten, unlektorierten Geschichte, ein „ordentliches“ Projekt mit sechs Geschichten, Vorwort, Lieblingsrezept und Leseprobe.
Inzwischen sind alle Geschichten lektoriert, korrigiert, gesetzt und von einer Handvoll Bloggerinnen vorab gelesen. Ich warte nur noch auf das Cover für Nummer zwei. Der erste Entwurf sollte in den nächsten Tagen bei mir eintreffen. Ich hoffe, dass wir dann zügig zu einer finalen Version kommen, denn davon wird auch abhängen, wann das Buch letztlich erscheint.

Vor der Sommerpause oder danach.

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Nummer zwei
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