Geliebter Teufelskreis

 

Dieser Tage war wieder Leipziger Buchmesse. Ohne mich diesmal. Leider.
Voriges Jahr war ich dabei, habe auf der Messe mit Jojo Moyes und auf meiner kleinen Lesereise ein bisschen Autorenleben geschnuppert, tolle Buchmenschen kennengelernt und viele schöne Eindrücke mit nach Hause genommen. Die Frage stellte sich früh, ob ich auch 2019 wieder nach Leipzig fahren würde – und schon früh war absehbar, dass ich mir diesen Luxus nicht noch einmal leisten können würde. Denn Luxus ist es, ein paar Tage allein quer durch die Republik zu reisen. Die offensichtlichen Kosten (Benzin, Hotel) wiegen dabei weniger schwer, als der nicht-monetäre Preis: weniger Urlaubstage für Erholung, Familienbelange oder das, was mich überhaupt erst zur Autorin macht: das Schreiben.

Mimimi

Für viele Textschaffende sind solche Abwägungen Realität und da auch ich meine Familie nicht von dem Geld ernähre, das ich mit meinen Büchern verdiene, muss ich die Prioritäten stets zugunsten meines Brot-und-Butter-Jobs ausrichten. Das fällt mir meistens leicht, denn ich mag meinen Vollzeit-Hauptberuf. Manchmal allerdings – an Tagen wie heute, wo die Buchbranche zusammenkommt – werde ich wehmütig. Dann denke ich, dass ich als Autorin erfolgreicher wäre, hätte ich nur mehr Zeit, mich zu vernetzen. Aber hätte ich die Zeit (und meinen Vollzeit-Hauptberuf nicht), würde ich mich gar nicht als Autorin vernetzen, sondern mir über meine Kontakte in der Medienbranche schleunigst eine Arbeitsstelle suchen, mit der ich meine Familie ernähren kann. Der Literaturbetrieb wäre keine einträgliche Alternative. Willkommen in meinem Teufelskreis.

Hey, es geht gar nicht um Karriere!

Weil ich mein Geld mit dem Hauptjob verdiene, habe ich keine Zeit, mich um meine Karriere als Autorin zu kümmern, weswegen diese auf Sparflamme köchelt. Dumm gelaufen. Der Tag hat nur 24 Stunden und wenn ich es ab und zu schaffe, mir einige davon für das Schreiben zu reservieren, kann ich mich glücklich schätzen. Wobei wir wieder beim Thema Prioritäten sind. Als ich 2012 beschloss, doch noch mal ein Buch zu schreiben, ging es genau darum: ein Buch zu schreiben. Es ging nicht um Lesungen, nicht um Marketing, nicht um Verlagsbewerbungen, nicht um Vernetzung. Es ging darum, ob ich es schaffe, neben Vollzeitjob und Familie ein gutes Buch zu schreiben. Das ist gelungen. Erfreulicherweise sind auch ein paar der anderen Dinge gelungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte: die Zusammenarbeit mit Bloggerinnen zum Beispiel und Lesungen.

Postkarte mit Zitat aus "Dein Weg, meine Liebe"Mut, zu tun und zu lassen

Das alles macht mir Mut, meinen Weg weiterzugehen: Schreiben neben Vollzeitjob und Familie. Ich will den Freiraum nutzen, der sich mir bietet und nicht darüber lamentieren, dass er kleiner ist als bei Menschen, die hauptberuflich schreiben. Ich will meine Freiheit nutzen, das zu tun, was andere lassen – aber ich gönne mir auch die Freiheit, das zu lassen, was andere tun. Für den eigenen Weg gibt es keine Vorbilder. Die Erfolge der anderen dienen nur bedingt als Richtschnur, denn wir sehen den Preis nicht, den sie dafür gezahlt haben. Das Leben verläuft nicht geradlinig und die glücklichsten Menschen sind nicht die, denen vieles zufällt, sondern die, die mit Niederlagen umgehen können und sich immer wieder aufs Neue ausbalancieren.

Messeblues und neue Postkarten

Inzwischen habe ich meinen Messeblues überwunden. Ich hatte eine intensive Arbeitswoche im Hauptberuf und konnte nach den weniger guten Nachrichten der vergangenen Wochen einige Gesundheitsangelegenheiten für meinen Mann und mich klären. Nebenbei habe ich die Zitatpostkarten meinem meinem Roman „Dein Weg, meine Liebe“ neu drucken lassen: als Metallic-Glanz-Druck. Das sieht unglaublich schön aus! Die neuen Postkarten werde ich im Mai auf der Solinger Buchmesse Fabula est verschenken.

Dritte Auflage

Außerdem habe ich meinem Roman eine dritte Auflage gegönnt. Ich bin einfach doch zu sehr harmoniebedürftige Perfektionistin. Eine Kollegin und für einige Jahre auch gute Freundin hatte es als verletzend empfunden, dass ich den Namen ihres Sohnes für eine Nebenfigur gewählt hatte, die ihrer Meinung nach „vorgeführt“ wurde. Die empfundene Verletzung kann ich leider nicht zurücknehmen und es ist auch müßig, darüber zu diskutieren, ob sie gerechtfertigt war. Die Nebenfigur taucht in einer einzigen Szene auf und ich habe beschlossen, sie umzubenennen. Des weiteren habe ich die Gelegenheit genutzt, einige Tipp-, Schreib- und Wortfehler auszumerzen, die sich auch in Auflage zwei noch versteckt hatten.

Drittes Buch

Die neue Auflage wird in den nächsten Tagen angelegt und schon bald verfügbar sein. Ich freue mich!
Parallel arbeite ich, wie die Leser*innen wissen, die meine Nachrichten auf Social Media verfolgen, seit etwa einem Jahr an einer Fortsetzung. Die Geschichte von Etienne und Vika geht weiter. In meinem Kopf ging sie schon immer weiter, aber tatsächlich wird sie auch für meine Leser*innen weitergehen. Da ich wegen meines Hauptberufs keine Zeit habe, mich gedanklich komplett in die Geschichte zu vertiefen und am Stück viel zu schreiben, dauert das Schreiben seine Zeit. Ja, es ist der verdammte Teufelskreis: Ich muss im Hauptberuf arbeiten, also habe ich keine Zeit, schneller zu schreiben! Aber der Teufelskreis hat auch sein Gutes: Ich erfahre Bestätigung, feiere Erfolge, habe mit inspirierenden Menschen zu tun – ganz unabhängig davon, ob ich mit dem Buch weiterkomme, ob mir eine Szene gelingt oder ich sie neu schreiben muss. Das wiederum hilft mir, mich bei Schreiben nicht von Selbstzweifeln quälen zu lassen. Ich schreibe, weil ich es kann. Nicht, weil ich muss. Ich kann so lange an einem Satz, einer Szene, einem Kapitel feilen, bis es gut ist. Das kann sich nicht jede*r Autor*in leisten.

Fortsetzung folgt

Wann die Fortsetzung von „Dein Weg, meine Liebe“ erscheinen wird, steht entsprechend in den Sternen. Was ich aber jetzt schon sagen kann: Das Schreiben daran fühlt sich besser an als beim ersten Buch. Ich gehe planmäßiger vor, schreibe nicht drauflos, um hinterher alles umzuwerfen. Ich fabriziere keine Textwüsten, aus denen ich hinterher mühsam Kapitel forme. Stattdessen bildet bisher (bin bei 235 Normseiten) jedes Kapitel eine kleine Einheit und die Erzählperspektive ist von vornherein die jeweils richtige. Das war bei Teil eins nicht so. Ich habe Szenen wild durcheinander geschrieben und habe später festgestellt, dass sie aus Etiennes Perspektive dann doch nicht passen und auf Vika umgeschrieben werden müssen oder umgekehrt. Das wird jetzt alles besser und führt auch dazu, dass ich mich im Schreibprozess besser fühle als vorher. Damals dachte ich oft, ich kann es nicht, es wird alles misslingen. Jetzt denke ich: Es wird schon gut werden. Es dauert nur seine Zeit. Der Teufelskreis ist also nicht nur schlecht. Auch wenn er mich von Veranstaltungen wie der Leipziger Buchmesse fernhält, hilft er mir auch, mich auf das Wesentliche zu fokussieren: meine Geschichten zu schreiben.

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